18.10.2012
12:03
Alter:
5 yrs
Der längste Tag - Daniel Schallmo finisht im Dunkeln
Der letzte Ironman-Wettkampf in Hawaii sollte eigentlich der erfolgreichste auf der Vulkaninsel werden. Je näher der Tag X rückte, desto sicherer war sich der St. Wendeler Triathlet, der 1989 (im Jahr des „Iron War“: Marc Allen gegen Dave Scott) sein Debüt auf Big Island gab.





Schallmo hatte seine Altersklassen-Gegner genau studiert; wusste wer in welchem Jahr mit welcher Zeit unter den ersten drei gewesen war und wer in diesem Jahr leistungsmäßig ebenbürtig war. Noch unmittelbar vor dem Start war Schallmo sicher, dass nicht nur der anvisierte Platz unter den ersten zehn, sondern sogar ein Platz auf dem Podium in der Altersklasse möglich war.

Das Schwimmen im Pazifik, in dem sich ständig höhere Wellen aufbauen, verläuft dann auch planmäßig. Nach 1:11 Stunden verläßt Schallmo die warmen Salzfluten, die stärksten Konkurrenten unmittelbar vor oder hinter ihm. Der Wechsel erfolgt ruhig, denn man darf jetzt nichts vergessen – schon gar nicht den Sonnenschutz, den helfende Hände auf Wunsch auftragen. Dass es wieder ein außergewöhnlich heißer Tag werden wird zeichnet sich schon bei der elf Kilometer langen Auftaktrunde in Kailua ab. Der Wunsch nach Wolken soll an diesem Samstag, den 13. Oktober, ungehört bleiben. Lediglich der Mumuku Wind bläst auf dem Weg zum Wendepunkt in Hawi mit Macht von vorne und der Seite. Auf dem Rückweg stellt sich der Wind von Kilometer 120 bis 170 den schon angeschlagenen Athleten und Athletinnen entgegen und drückt auf die Radsplits. Auch Daniel Schallmo muss Tempo raus nehmen und verliert einige Minuten. Trotzdem hat er viele hinter sich gelassen, darunter die stärksten Altersklasse-Konkurrenten. Er steigt als zehnter seiner Altersklasse vom Rad, um sich für den abschließenden Marathon zu präparieren. Locker läuft er los und ist nach wie vor überzeugt, sich ganz vorne zu platzieren. Doch plötzlich, nach zwei von 42 zu laufenden Kilometern, setzen beim St. Wendeler Schwindel und Übelkeit ein. Er muss die nächsten Verpflegungsstationen durchwandern, um ausreichend Flüssigkeit aufnehmen zu können. Die will der Körper aber nicht mehr bei sich behalten, so dass die Geh-Abschnitte immer länger werden. Anhand der Startnummern kann Schallmo sehen wie viele Konkurrenten ihn überholen und liegt nach der ersten Wende bei Kahalu'u wieder auf Platz sieben. Die Kreislaufprobleme werden immer massiver und eigentlich ist nach fünfzehn Kilometern der Punkt erreicht an dem Schallmo ans Aufgeben denkt bzw. aufgeben sollte. Er gönnt sich eine längere Pause, mobilisiert die allerletzten Reserven und versucht seinen letzten Ironman in Hawaii zu finishen, auch wenn er die Hälfte der Laufstrecke gehen muss. So erreicht Daniel Schallmo nach 12:04:13 Stunden zum ersten Mal in seiner Kona-Karriere die weltberühmte Finish-Line auf dem Alii Drive zwar im Dunkeln, aber unter tosendem Beifall der Zuschauer, die jeden, der das Ziel erreicht, feiern. Wie extrem die Bedingungen wieder waren zeigt ein Blick in die Ergebnisliste. Einige hoch gehandelte Profis erreichen an diesem Tag die Ziellinie nicht und von Schallmos stärksten Altersklasse-Konkurrenten ist niemand unter den ersten zehn.

Die Ergebnisse der beiden anderen saarländischen Teilnehmer:
Andreas Backes, 81. Platz M50-54 mit 11:34:50 h
Gabriele Celette, 6. Platz W55-59 mit 11:46:19 h

(mj)