05.09.2012
11:32
Alter:
5 yrs
VERDAMP LANG HER...Ein erfolgreiches Herbstwochenende in Köln
Die Profi-Triathletin Nicole Woysch (LAZ Saarbrücken) gewann die Cologne226 (Langdistanz 3,8-180-42,195) in 09:37:23h und berichtet in ihrem Blog darüber:


Ganz ursprünglich war geplant, dass ich in Köln über die Mitteldistanz an den Start gehe. Aber in meiner ersten Saisonhälfte lief es alles andere als geplant, so dass die Entscheidung zugunsten des Cologne226 fiel.

Meine Wettkämpfe waren etwas „holprig“, um es nett zu umschreiben.
Pippi-Nic-Langstrumpf-Woysch kommt immer lustig rüber, aber ich war so manches Mal am Limit. Mein Magen machte mir schlimme Sorgen, dann der Sturz vor dem Rennen in Rapperswil und schlussendlich dieses schreckliche (schöne) Erlebnis- Ergebnis beim Ostseeman.

Jeder, wirklich jeder in meinem Dunstkreis sagte mir, dass ich doch endlich eine lange Pause machen sollte und dass es dieses Jahr nichts mehr wird.
Einzig und alleine meine Uhr, meine Tochter und mein Mann haben an mich geglaubt. Und seit meinem Finish an der Ostsee habe ich auch wieder daran geglaubt. Ich wiederum konnte dann meinen Magen überzeugen. Und siehe da, nach und nach setzte ich die Blocker ab und es war vorbei mit Kaffeeentzug.

Viel Zeit zum Trainieren blieb nach der Ostsee nicht mehr. Ich beschränkte mich auf meine  Schlüsseleinheiten lief 2 Wochen vorher noch einen 10 km-Lauf und 8 Tage vor dem Rennen einen Halbmarathon. Nach 4 Monaten Training mit Magenproblemen fühlte es sich jetzt einfach nur gut an. Dennoch stand für mich fest, dass ich nichts riskieren würde. Gar nichts. Und so stellte ich mich meiner größten Angst: Pulsuhr im Wettkampf.
Für mich wirklich der blanke Horror. Im Training ja, aber bei der Langdistanz?!

Gnadenlos stellte ich mir Herr Polar 10 Schläge tiefer, als für‘s Rennen ausgerechnet. Sowohl beim Rad, als auch beim Laufen.

RACEDAY
Das Schwimmen im Fühlinger See war easy, wirklich sehr entspannt. Ich fand ein paar nette Männerbeine, die nicht so arg platschten und hängte mich rein. Die letzten 1000m gesellte sich noch der spätere Gewinner Christian zu uns und nach 56 Minuten wechselten wir auf‘s Rad. 9°C waren‘s. Die fühlten sich für mich wie... na ja wie nasse Klamotten und 9°C eben an. Schattig! Als ich so eine Minute unterwegs war, also quasi: Schuhe zu, Nummer gerückt, hoch geschaltet... fiel es mir wieder ein. Pulsuhr!

Ahhh, Uhr abdrücken, drauf schauen. Alles im Grünen. 2 Minuten später. Es ist kalt. Ich fahr einen Tick schneller. Gel. Wasser. Noch ein Gel. Noch mal Wasser. Puls. Zu hoch. Langsamer. Puls. Zu niedrig. Wieder schneller. Ein kleiner Hügel. Puls. Zu hoch. Gott, nein. Was eine Scheiße. Dann fand ich meinen Rhythmus. Mir war kalt. Almuth überholt mich.

Almuth sagt was nettes und fährt weiter.

Und es interessiert mich überhaupt nicht. Ich fahre weiter in meinem Pulsbereich.

Nach 150 km überholt mich die nächste Frau. Ich bin am rumlullen. Schau auf den Puls. Bin ich zwischendurch eingeschlafen? Nichts mehr zu machen. Ich musste an einen guten Freund denken, ein 34min-auf-10km-Läufer, der mir erzählt hat, dass er neulich mit seiner Frau joggen war und ernsthaft Angst hatte bei ihrem Tempo rum zufallen. Ich fing an zu lachen und haute die restlichen Koffeingummibärchen rein. Das Kamerateam kam noch vorbei und bedauerte mich ein wenig. Ich fahre das Ding gut gelaunt und locker in die zweite Wechselzone.

Wie macht man sich einen Haarzopf, wenn die Haare noch nicht lang genug sind? Sie aber stören, wenn sie einfach so rumhängen und die Laufbrille verschlabbern. Frau hat da verschiedene Möglichkeiten. Ich hatte 2 Haargummis am Strohhalm meiner Radflasche. 2 deshalb, weil einer ja verloren gehen könnte. Und meine kleinen Haarspangen waren schon beim Schwimmen im Raceanzug. Clever :-))) ? Oder ?

Jedenfalls war Multitasking angesagt. Also Dixi und Haare. Puls am Anschlag :-)

Nicht ganz 5 Minuten auf Almuth, die Frau, die mich bei 150 km überholt hatte, konnte ich gleich sehen und noch viel gleicher überholen. 2. Fahrrad! Puls? Langsamer! Tempo gefunden. Almuth wegen Wendepunkt gesehen. Mein Triathlonherz war kampfbereit. Meine Beine locker. Mein Kopf war bei ALFALFA.

Statt mir irgendwelche Zeiten oder irgendwelche „heee Niiiccc, du schaust gut aus“, „beiß“, „Dein Rennen“-Sprüche zuzurufen, rief mein lieber Mann nur: ALFALFA, denk an ALFALFA. Der kleine Strolch :-)

Almuth stieg aus dem Rennen aus. Und ich nahm der 2. Frau eine halbe Stunde ab.

Endlich wieder ein gescheiter Marathon. Die letzten 8 Kilometer habe ich einfach nur genossen und hab mich feiern lassen. Die Wendeltreppe zur Deutzerbrücke kam ich fast nicht mehr hoch, weil ich immer anfange zu heulen und dann bekomme ich keine Luft mehr... bei dem Vorsprung war mir das aber herzlich egal und ich ließ mich feiern.

Uwe Jeschke und sein Team haben mal wieder ganze Arbeit geleistet und mir einen unvergesslichen Tag geschenkt. Dafür vielen lieben Dank.
Ein tolles Event, in einer tollen Stadt.

Herzlichst Nic

Weitere Platzierungen in 2012:
1. Platz Halbmarathon Kaiserslautern
4. Platz Ostseeman Glücksburg
5. Platz Ironman Lanzarote

Website: http://www.nicolewoysch.de